Heute Morgen war ich allein unterwegs.
Kein Mensch vor mir. Keiner hinter mir. Nur die Ostsee, der Wind und meine Gedanken.
Wer lange genug läuft, kennt das. Irgendwann denkt man nicht mehr über das Gehen nach. Die Beine machen ihre Arbeit. Die Gedanken gehen ihre eigenen Wege.
Dann sah ich diesen Pfad.
Ein schmaler Weg führte einen Hang hinauf. Oben nur Himmel. Und sofort musste ich an Bodo denken.

Vor mehr als zwölf Jahren ist er an Krebs gestorben. Für seine Bestattung hatte er sich Stairway to Heaven gewünscht.
Ich blieb stehen und schaute auf den Weg. Ein paar ausgetretene Stufen im Gras. Sonst nichts. Und doch war da sofort dieses Bild.
Bodo war ein großer Led-Zeppelin-Fan. Je länger wir befreundet waren, desto deutlicher wurde mir das. Wir haben nie viel darüber gesprochen. Das mussten wir auch nicht. Manche Dinge weiß man einfach.
Während ich weiterging, dachte ich daran, wie viele Menschen aus unserer Jugend inzwischen verschwunden sind. Freunde. Bekannte. Musiker. Irgendwann sogar die Helden.
Seltsam. Als wir jung waren, hielten wir viele von ihnen für unsterblich.
Der Weg lag noch immer vor mir. Die Ostsee rauschte. Der Wind kam vom Meer. Und ich dachte, ich könnte einfach weitergehen. Den ganzen Tag. Vielleicht eine Woche. Vielleicht einen Monat. Einfach gehen. Von Gedanken getragen.

Es gibt Augenblicke, in denen man nichts erklären muss. Dieser Morgen gehörte dazu.
