Das Haus mit den großen Bäumen hatte uns immer gefallen. Meine Frau und ich mochten es, dieses verwunschene Grundstück, das wie ein Ärztehaus aus einer anderen Zeit wirkte.

Dann kam der Verkauf. Zuerst die Sanierung, dann neue Bewohner. Und schließlich der zweite Akt: Der Garten verschwand. Die große alte Rotbuche, die anderen Bäume – alles gefällt. An ihre Stelle traten ein zweites Haus, Pflasterflächen, Stellplätze. Vom früheren Garten blieb nichts übrig.

An diesem Tag hatte ich mit meinem Enkel einen längeren Spaziergang gemacht, weiter als sonst. Der Eigentümer stand auf dem Hof, wies seine Arbeiter bei den Pflasterarbeiten an. Er hatte mich nicht gesehen. So hörte ich, wie er damit prahlte, was für mächtige Bäume er gefällt hatte – und wie großartig es sei, dass er das könne.
Was für ein Zufall, dass ich genau in diesem Moment dort vorbeikam – als diese Worte fielen. Nahezu, als müsste es so sein, dass sich meine Vorurteile bestätigten.
Er gehört zu meiner Generation, ist etwas älter als ich – und genau so stark in der Region verwurzelt. Ich weiß nicht, was er über diese Bäume dachte: außer, wie großartig es war, sie zu fällen. Ich weiß nur: Sie sind nicht mehr da.
Am 27. Juni 2026 wurden in Sachsen-Anhalt 41,8 Grad gemessen. Es war der zweitwärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen, in weiten Teilen zu trocken. Bei uns verschwand kurz zuvor ein Baumbestand, der über Jahrzehnte Schatten gespendet hatte.
Die Kronen beschatteten Haus, Boden und Wege, und der Boden nahm Regen auf. Das Grundstück hatte dadurch ein eigenes Klima.
Wo Regen versickern konnte, liegt jetzt Pflaster. Wo Schatten war, stehen Autos in der Mittagshitze.
Ich verstehe, dass Bäume weichen müssen, wenn man nachverdichtet. Ich verstehe nicht, warum kein einziger stehen bleiben durfte.
