Wohlstand ohne Weitsicht: Die Krise unserer Konsumgesellschaft

Wenn man die aktuelle Debatte über die neue E-Auto-Förderung verfolgt, entsteht ein bemerkenswerter Eindruck:

Denn obwohl wir in einem historischen Maßstab in ungeheurem Wohlstand leben, kreisen erstaunlich viele gesellschaftliche Diskussionen um Dinge statt um Menschen. Es geht um Kaufprämien, Reichweiten, Ladezeiten und Marktanteile. Selbst darüber, ob Familien mit mehr als zwei Kindern noch höhere Zuschüsse für größere Elektrofahrzeuge erhalten sollten, wird ernsthaft diskutiert.

Dabei kämpfen viele Menschen längst mit ganz anderen Fragen: Wie lange hält das alte Auto noch? Wie bezahlt man Strom, Heizung und Lebensmittel? Wie soll eine Familie, bei der am Monatsende nichts übrig bleibt, noch Rücklagen bilden?

Ein Handwerker und eine Pflegekraft irgendwo in der Provinz werden sich trotz harter Arbeit kein neues Elektroauto für 40.000 oder 50.000 Euro leisten können — auch nicht mit Förderung. Trotzdem finanzieren genau solche Menschen über ihre Steuern die Zuschüsse für deutlich besser verdienende Haushalte.

Noch bemerkenswerter ist jedoch etwas anderes: Selbst in einer Zeit ökologischer, sozialer und psychischer Krisen reagieren Politik und öffentliche Debatten weiterhin fast reflexhaft mit mehr Konsumanreizen, mehr Technikförderung und neuen Marktprogrammen.

Darin zeigt sich der eigentliche Widerspruch unserer Zeit. Denn offenbar fällt es uns leichter, den Kauf neuer Produkte zu fördern, als grundsätzlicher darüber nachzudenken, wie eine lebenswerte und vernünftige Gesellschaft überhaupt aussehen sollte.

Wäre es zu viel verlangt, einmal zu fragen: Was brauchen Menschen eigentlich — und nicht: Was sollen sie kaufen?