Like Ice in the Sunshine

Heute lief im Radio „Like Ice in the Sunshine“.
Eine Sommermelodie, die nach Eis, Sonne und Unbeschwertheit klingt.


Doch während wir das hören, brennt es.
In Südfrankreich. In Spanien. In Griechenland.
Dort, wo wir vor wenigen Jahren noch Urlaub machten, stehen heute nur noch verkohlte Pinien.


Campingplätze, die wir kannten, sind abgebrannt.
Die Landschaften, in denen wir Erholung suchten, sind zu Brandnarben geworden.


Das Mittelmeer wird zur Feuerzone.
Und wir schauen zu.

Die Rechnung kommt


Umweltprobleme klingen oft abstrakt.
Klimawandel. Artensterben. Bodenverlust.
Doch die Folgen sind längst da.
Hitze. Trockenheit. Dürre.


In Deutschland warnt der Deutsche Bauernverband 2026 vor Ernteausfällen von bis zu 30 % bei Getreide und Raps.


In Südeuropa verbrennen die Wälder, die wir als Urlaubsidylle kannten.
2025 brannten in Frankreich über 60.000 Hektar Wald – eine Fläche so groß wie der Bodensee.


Wir erleben Starkregen und Hochwasser.
Gleichzeitig fehlt Wasser in trockenen Phasen.
Kein Widerspruch: Versiegelte Böden können kein Wasser mehr speichern.
Die Landschaft verliert ihre Puffer.

Was wir nicht mehr sehen

Arten sterben leise.
Lebensräume schrumpfen.
Landschaften verändern sich – ohne dass es jemand bemerkt.
Das Bundesamt für Naturschutz listet Hunderte gefährdeter Arten.
Bei den Tagfaltern gelten 40 % als bestandsgefährdet oder ausgestorben.
Wer heute geboren wird, kennt die Landschaft nur noch ohne sie.

Die Spanne der Erinnerung

Veränderungen innerhalb einer Generation bleiben nur denen bewusst, die sie erlebt haben.


Für alle anderen ist der Verlust unsichtbar.
Ihre Normalität ist eine Landschaft, die bereits verändert ist.


Ihre Erinnerung beginnt dort, wo der Verlust vollzogen wurde.

Der ländliche Raum – der letzte Ort des Widerstands

Straßen. Häuser. Gewerbegebiete.
Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland wächst – um 58 Hektar pro Tag.
Jede neue Fläche ist ein Stück weniger Natur.
Jede Versiegelung reduziert die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern.


Doch der ländliche Raum ist der einzige Raum, der noch bleibt, wenn wir etwas schützen wollen.

Die Logik, die den Planeten umkrempelt

Die Systematik, die diese Entwicklungen antreibt, entstand nach dem Zweiten Weltkrieg.


Meine Generation hat sie perfektioniert.


In weniger als 70 Jahren hat dieses Modell den Planeten verändert:

  • Wachstum als Dogma. Mehr Produktion. Mehr Konsum. Mehr Fläche. Als gäbe es keine Grenzen.
  • Technische Effizienz. Was früher Ressourcen verschwendete, wurde optimiert. Doch die Optimierung diente dem Schnelleren. Größeren. Profitableren.
  • Globaler Export des Modells. China, Indien, die Schwellenländer übernehmen die Logik. Die gleichen Fehler. Die gleichen Folgen.

Das Problem ist nicht, dass sie nachziehen.
Das Problem ist, dass die Rechnung exponentiell wird.

Die große Frage

Wir hören „Like Ice in the Sunshine“ und denken an Sonne, Eis, Unbeschwertheit.
Doch die Sommer, die wir feiern, sind längst von Hitze, Dürre und Feuer geprägt.


Die Gletscher schmelzen.
Die Böden trocknen aus.
Der Rhein führt Niedrigwasser.
Und in Südeuropa brennen die Wälder, in denen wir einst Urlaub machten.

Und die Kommunalwahl in Niedersachsen?

Die einen sagen: So ist es. Das haben wir aufgebaut. So muss es weiterlaufen.
Die anderen sagen: Das eine oder andere ist noch vertretbar.
Und wenn dann die nächsten Dürren kommen, die nächsten Wälder brennen, die nächsten Ernten ausfallen – wer entscheidet dann, dass es so nicht weitergeht?

Das Eis ist leer. Manche werden sich nicht erinnern, dass es einmal voll war.

Quellen:

[Deutscher Bauernverband, 2025](https://www.bauernverband.de)
[EFFIS, 2022](https://effis.jrc.ec.europa.eu)
[Umweltbundesamt, 2023](https://www.umweltbundesamt.de/themen/flaeche-boden/flaechenverbrauch)
[BfN, 2021](https://www.bfn.de/themen/artenvielfalt/rote-liste)