Kapitel 1 – Prolog

Diese Geschichte ist keine Fantasygeschichte.
Zumindest nicht im eigentlichen Sinn.
Der Caretaker ist keine erfundene Figur, die plötzlich aus dem Nichts auftauchte.
Er ist eher etwas, das über viele Jahre langsam entstanden ist – aus Erinnerungen, aus Beobachtungen, aus Verlusten, aus Gesprächen.
Aus Friedhöfen, Werkhallen, alten Fotos, leeren Straßen und Momenten, die sich irgendwann festgesetzt haben.
Vielleicht trägt er deshalb keinen richtigen Ort in sich – und gleichzeitig sehr viele.
Wer auf dem Land aufgewachsen ist, wird manches wiedererkennen.
Nicht unbedingt die Ereignisse selbst. Aber die Stimmung dahinter.
Dieses Gefühl, dass Orte sich verändern, ohne dass man genau sagen kann, wann es angefangen hat,
dass Menschen verschwinden, Häuser still werden, Geräusche fehlen, die früher selbstverständlich waren.
Der Caretaker geht durch solche Landschaften.
Nicht als Held.
Nicht als Retter.
Eher als jemand, der hinsieht – und der merkt, dass er manchmal zwischen mehreren Zeiten steht.
Manchmal erinnert er sich.
Manchmal versteht er etwas erst Jahre später.
Und manchmal merkt er, dass Erinnerungen nicht verlässlich sind –
und trotzdem wahr bleiben können.
Sie sind wie Schwingungen, wie leise Signale aus anderen Möglichkeiten, die sich mit seiner eigenen Geschichte verflechten.
Viele Figuren, Orte und Situationen haben Berührungspunkte mit der Wirklichkeit.
Manche sehr direkt. Andere nur als Schatten oder Fragment.
Aber dies ist kein Tatsachenbericht und kein Versuch, Menschen bloßzustellen.
Es geht nicht darum, über jemandem zu stehen.
Eher darum, Spuren sichtbar zu machen, die im Alltag oft übersehen werden –
Spuren aus anderen Zeiten, aus anderen Versionen dessen, was hätte sein können.
Der Caretaker bewegt sich durch eine Welt, die vertraut wirkt und gleichzeitig fremd geworden ist.
Durch Dörfer, Friedhöfe, Werkstätten, Familiengeschichten und gesellschaftliche Veränderungen,
die oft leise beginnen und erst viel später ihre Folgen zeigen.
Manchmal ist seine Welt klar und nah, wie ein Haus, ein Garten, ein Apfelbaum.
Manchmal wirkt sie durchscheinend, als ob sich verschiedene Zeiten darin überlagern.
Vielleicht ist diese Geschichte am Ende weniger eine Geschichte über den Caretaker
als über die Frage, was von Menschen, Orten und Zeiten übrig bleibt –
wenn sich Zeit nicht mehr wie eine Linie anfühlt, sondern wie ein Feld,
in dem Vergangenheit, zukünftige Wege und nie gelebte Möglichkeiten miteinander tanzen.
Und darüber, warum manche Dinge einen nicht loslassen.
Weil sie vielleicht nicht nur einmal geschehen sind.
Weil sie sich wiederholen.
Oder weil sie in einem bleiben,
als ob ein Teil von uns über Grenzen hinweg Erinnerungen aus anderen Varianten der Welt aufzunehmen vermag.